Arthrose der Kniescheibe


Die Gründe für das Erlangen einer Arthrose an der Kniescheibe sind vielfältig und reichen von angeborenen Fehlstellungen bis hin zu beruflicher oder sportlichen / körperlicher Überlastung, bei denen dieser Teil des Kniegelenkes überbeansprucht wird. Oftmals sind sie auch Folgen von Patellafrakturen. Die größte Gruppe ist jedoch diejenige mit einer angeborenen Kniescheibeninstabilität / angeborenen Trochleadysplasie, die nicht adäquat (beispielsweise mit einer Trochleaplastik) behandelt wurde und durch den deutlichen Überdruck zu einer frühzeitigen Arthrose geführt hat. Die Knieschiebenarthrose tritt meistens isoliert auf, betrifft aber aufgrund der Anamnese im Vergleich zu anderen Arthroseformen eher jüngere Patienten und ist daher in ihrer Behandlung auch unter komplett anderen Aspekten an zu gehen.


NICHTOPERATIVE THERAPIE


Die konservative Therapie der Retropatellararthrose hängt nicht nur vom Stadium der Erkrankung ab sondern auch von den Ansprüchen des Patienten und den damit verbundenen Lebensgewohnheiten. Ziel der Therapie ist es die Entzündungsherde und Schwellungen im Gelenk zu eliminieren. Hier können Medikamente wie nicht steroidale Antiphlogistika kurzfristig zum Einsatz kommen. Auch Gewichtsreduktion wenn indiziert und Nahrungsergänzungsmittel können einen positiven Einfluss haben. Entscheidend ist aber, dass sich der Patient regelmäßig bewegt und konsequent Physiotherapie durchgeführt wird.

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Hier muss das Augenmerk im besonderen auf der Dehnung der einzelnen Strukturen liegen, um die patellofemorale Überlastung zu senken. Eine weitere Möglichkeit der Therapie ist die intraartikuläre Injektion mit Hyaluronsäure die zu einer Reduzierung der Entzündung führt und dadurch die Gleitfähigkeit des Gelenks verbessert. Auch die Zelltherapie mit Blutplasmafaktoren oder neuerdings Lipogems zur Normalisierung des Hoffaschen Fettkörpers. Die Wachstumsfaktoren, gewonnen aus dem eigenen Blut, sind in der Lage Heilungsprozesse im geschädigten Gelenkknorpel anzuregen.


OPERATIVE THERAPIE - TUBEROSITASVERSATZ

Knee and Hip Institute MunichBei der Verlagerung des Schienbeinhöckers (Tuberositas tibiae) wird die Distanz zwischen Kniescheibe und Oberschenkel erhöht und somit die Kniescheibenüberbelastungen am äußeren patellofemoralen Gelenk gesenkt. Durch die Minimierung dieser Druckbelastung können die Schmerzen gelindert werden.


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Die Verschiebung der Kniescheibenführung nach innen und nach vorne berechnen wir millimetergenau anhand der von uns angefertigten MRT und Röntgenbilder und führen sie dann am Schienbein durch. Dabei wird der Winkel genau nach den notwendigen Entlastungen gerichtet, um sowohl den Druck von außen nach innen als auch nach vorne zu verschieben. Der verschobene Knochen wird mit 2 Schrauben gesichert. Nach einer Teilbelastung während einer 6-wöchigen Einheilungsphase können Sie nach einer Röntgenkontrolle im Anschluss die Belastung schnell steigern.


ÄUSSERE KAPSELVERLÄNGERUNG (LATERAL RELEASE)


ÄUSSERE KAPSELVERLÄNGERUNGDie äussere Kapselverlängerung ist ein Eingriff, der nur beim schmerzhaften Kniegelenk und nicht bei der Instabilität eingesetzt werden sollte. Um bei der gewünschten Schmerzreduktion keine Instabilität zu provozieren, führen wir eine deutlich raffiniertere Technik durch – die laterale Erweiterung. Bei der äußeren Kapselerweiterung wird die äußere patellofemorale Kontaktfläche entlastet und nach innen verlagert. Dabei wird das doppelschichtige Retinaculum in einem filigranen plastischem Eingriff von einander getrennt und in einer erweiterten Technik wieder adaptiert. So gelingt eine Erweiterung und Druckentlastung, während das Gelenk verschlossen bleibt und eine Instabilität vermieden wird.


WAVE – MINIPROTHESE/ OBERFLÄCHENERSATZ (NACH SCHÖTTLE)

Die 2009 von Prof. Dr. med. Philip Schöttle entwickelte WAVE-Miniprothese kommt bei einer isolierten Arthrose des Femoropatellargelenks zum Einsatz, wenn biologische Verfahren und entlastende operative Verfahren ausgeschöpft sind. Die anatomisch geformte WAVE-Prothese ist derzeit der einzige Gelenkersatz, bei der die Anatomie in allen Details mit verschiedenen Krümmungen entsprechend des Oberschenkelknochens nahezu maßgeschneidert angepasst werden kann.

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Da sie gleichzeitig die dünnste auf dem Markt existierende Prothese ist, ist der Knochenverlust marginal und es gibt auch keine Probleme mit einem Überstand und dadurch erhöhten, schmerzauslösenden Drücken zwischen Kniescheibe und Oberschenkel. Ein weiterer Vorteil des WAVE-Oberflächenersatzes ist die Art seiner Fixierung: Die WAVEProthese wird mittels einer Schraube in den darunterliegenden, gesunden Knochen befestigt, was eine schnelle biologische Einheilung mit sich bringt. Diese Eigenschaft und die sehr guten Ergebnisse dieses Gelenkersatzes im Alltag und beim Sport haben dazu geführt, dass die WAVE-Prothese inzwischen weltweit in den führenden Kliniken zum Einsatz kommt.


Der Patient im nachfolgenden Video konnte vor lauter Schmerzen in den Knien nicht mehr gehen und war jahrelang auf den Rollstuhl bzw. Krücken angewiesen, weil ihm kein Arzt helfen konnte. Prof. Dr. med. Philip Schöttle, medizinischer Direktor des Knee and Hip Institute Munich, hat ihm die WAVE-Miniprothesen eingesetzt.  Das Video zeigt die neugewonnene Mobilität des Patienten.

 


PATELLOFEMORALE PROTHESE

Sollte aufgrund von knöchernen Fehlstellungen eine Miniprothese nicht mehr möglich sein, so kommen Teilersätze zum Tragen. Patienten fragen zurecht häufig, warum es notwendig ist, alle Kniekompartimente zu ersetzen, wenn nur eines (das patellofemorale Kompartiment) von Arthrose betroffen ist.


Bei Patienten mit fortgeschrittener patellofemoraler Arthritis und ohne Beteiligung des medialen und lateralen Kniegelenks kann der orthopädische Chirurg einen patellofemoralen Knieersatz empfehlen, bei dem es sich um eine Art partiellen Knieersatz handelt. Bei diesem Verfahren werden arthritische Oberflächen am Femur und an der Patella entfernt und durch prothetische Komponenten ersetzt, etwa wie bei einem Zahn, während die übrigen Kompartimente des Gelenks und alle Kniebänder erhalten bleiben. weiter lesen

Die Komponenten bestehen aus Metall und Kunststoff, um eine Gleitfläche zu schaffen, die sanft gleitet und dem Verschleiß widersteht. Gleichzeitig können Rotationsfehler und Varus- oder Valgusdeformitäten des Patellagleitlagers korrigiert werden. In den letzten zehn Jahren wurde der partielle Knieersatz immer populärer. Da wir uns vom KHI seit 2006 sowohl klinisch als auch radiologisch und im Rahmen der Navigation sehr intensiv mit dieser Problematik auseinandersetzen, kennen wir alle Feinheiten, die es zu beachten gilt um unserem in diesem Fall recht jungen Patientengut eine erfolgversprechende Lösung an zu bieten. Aktuell sind Proff. Schöttle und Keshmiri wieder in die Weiterentwicklung einer bandadaptierten Spezialprothese involviert, die einen noch kleineren Zugang und damit ein noch geringeres Weichteiltrauma ermöglichen und somit die Schmerzen des Eingriffes nochmal deutlich reduzieren konnten. Der stationäre Aufenthalt ist bei diesem Eingriff sehr kurz und kann in manchen Fällen nur 3 - 4 Tage brauchen, bevor dann eine Weiterbehandlung in einer ambulanten oder stationären Rehabilitation stattfindet. Krücken müssen nur so lange verwendet werden, bis Sie wieder ein stabiles Gangbild erlangt haben und auch ihre Beweglichkeit ist direkt nach dem Eingriff frei gegeben.