Vorderer Knieschmerz


Der vordere Knieschmerz – gerne auch chondropathia patellae genannt – findet häufig seinen Ursprung in der Wachstumsphase eines jungen Menschen, bei dem es zu einem Missverhältnis zwischen dem Längenwachstum zugunsten der Knochen gegenüber den Muskeln kommt. Dieses Missverhältnis kann aber auch erst in späteren Lebensjahren entstehen, z.B. als Folge eines Beinachsenfehlers, eines veränderten Gangbildes, einer Fußfehlstellung oder einer fehlenden Dehnung des Muskelapparats. Da die Schmerzen verstärkt im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auftreten, macht sich der Betroffene meist große Sorgen, da er befürchtet, dass die Schmerzen im Laufe der Jahre stärker werden und er an einem frühzeitigen Gelenkverschleiß, d.h. Arthrose, leidet. Der Verlauf der Erkrankung ist jedoch insgesamt gut. In der Mehrzahl der Fälle verschwinden die Schmerzen spontan.

Die mit der Quadrizepssehne verbundene Kniescheibe wird in Folge dessen mit deutlich erhöhtem Druck auf den sich darunter befindlichen Oberschenkelknochen gepresst und verursacht hierdurch Schmerzen in diesem Bereich und der umliegenden Weichteilstrukturen. Selbstverständlich kann es als Folge von Überlastung, Unfällen und Verletzungen des Kniegelenkes auch zur Ausbildung eines Schmerzsyndroms im Bereich der Kniescheibe kommen. Eine Überlastung kann unter anderem entstehen durch Sportarten mit hohen Sprunganteilen, Bergablaufen, aber auch Schuhe mit hohen Absätzen.. Die Diagnose „Chondropathia patellae“ kann der erfahrene Orthopäde oder Sportmediziner meist anhand der geschilderten Beschwerden und einer genauen ärztlichen Untersuchung stellen. Die Untersuchung beschränkt sich hierbei nicht nur auf das Kniegelenk und die Kniescheibe, es müssen vielmehr auch die für die Bewegungen im Kniegelenk verantwortlichen Muskeln und Sehnen sowie der Bandapparat des Kniegelenkes bezüglich ihrer Funktionen überprüft werden. Auch die Beurteilung der Beinachsen und der Fußform ist wichtig. Zusätzlich zur ärztlichen Untersuchung können apparative Untersuchungen zur Sicherung der Diagnose sinnvoll sein. Eine Röntgenuntersuchung des Kniegelenkes unter besonderer Berücksichtigung der Kniescheibe zeigt die Form, Stellung und Struktur der Knochen die das Kniegelenk bilden. Eine Kernspin Untersuchung (MRT) kann zudem Knorpelveränderungen darstellen.

 

Nichtoperative Therapie
Kniegelenk


Bei stärkeren Beschwerden des Kniegelenkes sollte das Gelenk zunächst kurzfristig geschont werden. Die Anwendung von kühlenden, entzündungshemmenden Salben, Eis- oder Quarkpackungen unterstützen in der akuten Phase sehr effektiv die Beruhigung des schmerzhaften Gelenkes. Die Einnahme von entzündungshemmenden Tabletten ist kurzfristig allenfalls in Ausnahmefällen erforderlich. Die langfristige Behandlung erfolgt in erster Linie mit Physiotherapie. Schwerpunkte bilden hierbei einerseits die intensive Dehnung der meist verkürzten Oberschenkelmuskulatur. Andererseits kann eine dauerhafte Besserung der Schmerzen durch ein gezieltes Krafttraining, insbesondere der inneren Anteile der Oberschenkelmuskulatur erreicht werden. Stoffwechselanregende und durchblutungsfördernde Maßnahmen wie Elektrotherapie, Ultraschall oder Eislolly-Behandlung (Eisabreibungen für jeweils 10 bis 12 Minuten) können die oben genannten aktiven Maßnahmen unterstützen. Das Spritzen von Medikamenten ins Gelenk (z.B. Hyaluronsäure, homöopathische Präparate) sollte gut überlegt sein, ist aber bei Knorpelveränderungen an der Rückfläche der Kniescheibe oder ihres Gleitlagers sinnvoll.

Operative Therapie |
vorderer Knieschmerz


Verbleiben trotz intensiver Physiotherapie Knieschmerzen, die die Lebensqualität des Patienten deutlich einschränken, ist eine arthroskopische Operation zu erwägen. Hierdurch soll der Lauf der Kniescheibe in der Rinne des Oberschenkelknochens bei Beugung des Kniegelenkes dauerhaft verbessert werden. Dies geschieht indem die Gelenkkapsel und die Verstärkungsbänder auf der Außenseite der Kniescheibe durchtrennt werden. Gleichzeitig können Schmerzrezeptoren an der Kniescheibe verödet werden und, soweit erforderlich, aufgerauhter Knorpel vorsichtig geglättet werden. Nach einer arthroskopischen Behandlung ist eine physiotherapeutische Nachbehandlung, wie sie oben geschildert wurde, sinnvoll.


Arthroskopischer Eingriff